Skip to main content

Über Standardisierung hin zu Innovation in einer Kette

„Vertrauen, Autonomie, Bewegung.“

Mit diesen Worten eröffneten Fred Vahlkamp, Gründer von ManualMaster und Certifeye, und Ilja Botha unser Quality PopUp „Gewährleistung der Qualität in der Kette“: Ein Tag, an dem alle Augen auf die Zukunft gerichtet waren. Auf die Zukunft der Blumen-, Pflanzen- und Lebensmittelindustrie, aber auch auf die Zukunft von Nachhaltigkeit, auf die Zukunft der Zusammenarbeit innerhalb der Lieferketten und auf die technologischen Entwicklungen, die diese ermöglichen.

Der gewählte Veranstaltungsort passte zu diesem Anlass. Im malerischen Woubrugge (NL), im Tagungszentrum und Restaurant De Dyck, wurden die Gäste mit Häppchen vom restauranteigenen Grund empfangen. Ein inspirierender Ort, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir die Branchen nachhaltiger gestalten können.

Hapjes

De Dyck – Woubrugge

Ilja Botha

Innovation in einer standardisierten Welt

Der erste Redner, Daan de Vries von der MPS Gruppe, entführte uns in die Welt von Standardisierung und Innovation. U. a. folgende Innovationen wurden vorgestellt: Chain Transparency 2.0, HortiFootprint Calculator, aber auch branchenweite Entwicklungen wie FSI 2025.

„Der erste Schritt besteht darin, sich genau anzusehen, wie die Ketten funktionieren, und herauszufinden, wer wen genau beliefert“, erklärte Daan. „Anschließend werden diese Analysen von den verschiedenen beteiligten Unternehmen geteilt, und so entsteht ein Gesamtüberblick.“

Dabei spielt der Austausch von Daten eine wichtige Rolle. Während jedes Glied einer Kette die Details seiner eigenen Lieferanten und Kunden kennt, kann ein solcher Überblick bei komplexeren Ketten eine Herausforderung darstellen. Daan: „Welchen Einfluss hat es, wenn ein Züchter, der ganz am Anfang der Kette steht, gewisse Stoffe verwendet? Die Pflanze wird an das nächste Glied in der Kette, an einen Abnehmer weitergegeben, der möglicherweise biologisch anbauen möchte. Das wäre in diesem Fall gar nicht möglich, da einige der von ihm verwendeten Tiere durch die im Produkt enthaltenen Stoffe getötet würden.“ In einer solchen Situation ist es wichtig, dass ein Unternehmen weiß, was innerhalb der Kette in beide Richtungen erwartet wird, um die eigene Qualität, aber auch die Erfüllung der Wünsche der eigenen Kunden gewährleisten zu können. Daan ging in diesem Zusammenhang auch auf das Ende der Kette ein: „Auch Einzelhändler haben bestimmte Anforderungen, die die Züchter erfüllen müssen, sonst können sie ihre Produkte nicht verkaufen. Letztendlich gibt es zur Zusammenarbeit und zum Miteinander-Kommunizieren keine Alternative.“

Quality Pop-Up

MPS bietet mit dem Chain Transparency 2.0-Projekt ein praktisches Beispiel. Die gestraffte und offene Kommunikation hat bei den MPS-ABC-zertifizierten Unternehmen zu einer Pestizidreduktion um 45 % geführt.

„Es geht nicht nur um den Austausch von Daten, sondern es geht um mehr. Organisationen müssen sich gegenseitig Daten anvertrauen, damit solche Analysen durchgeführt und Probleme gelöst werden können, die alleine nicht zu bewältigen sind.“

Diese Zusammenarbeit, die als nicht wettbewerbsorientierte Zusammenarbeit (non-competitive collaboration) bezeichnet wird, spiegelt sich in mehr MPS-Projekten wider. Gleiches gilt für das Projekt FSI 2025, bei dem bis 2025 eine nachhaltige Beschaffung von 90 % erreicht werden soll. Diese Projekte beruhen meist auf Zertifizierung und Standardisierung. Zertifizierung kann aber wiederum auch zu Innovationen führen. Als die Europäische Union Anfang der Neunzigerjahre einheitliche Standards einführte, erlebten viele Unternehmen dadurch einen Aufschwung.

„Man sieht, dass die meisten dieser bestehenden Zertifizierungsorganisationen sich zu einem Top-up entwickelt haben. Einerseits bilden sie eine Nische, andererseits sind sie die Vorreiter, die den Produzenten mit Weitblick eine Zertifizierung anbieten. So machen sie einen zusätzlichen Schritt in Richtung dessen, was sie für wichtig halten.“

Es ist unverkennbar, dass die nicht wettbewerbsorientierte Zusammenarbeit eine große Rolle spielt. Innovation findet immer weniger innerhalb und immer mehr zwischen Unternehmen statt

Auf die Frage nach der Realisierbarkeit von Nachhaltigkeitszielen, die innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens erreicht werden müssen, hatte Daan eine klare Antwort. „Pläne hinsichtlich des Umstiegs von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien können zum Beispiel stranden, weil der Bau eines Kernkraftwerks 10 Jahre in Anspruch nimmt. Wie lässt sich das mit Zielen für 2030 vereinbaren? Man muss in Übergängen denken, kontinuierlich Schritte unternehmen und die Situation kontinuierlich verbessern. Und dann erreicht man die Energieversorgungsziele eben im Jahr 2050.“

Nachhaltige Diskussionen

Bei einem Sandwich und Spargelsuppe mit Spargel aus dem restauranteigenen Garten haben sich die Teilnehmer während des Mittagessens über ihre Sichtweisen in Bezug auf die Zukunft der Datenvalidierung ausgetauscht. Als Inspiration für die Gespräche dienten Thesen, die an den Tischen hinterlegt waren.

Stelling

One of the discussed statements

Im Anschluss an diese herzhafte Mahlzeit gab es eine Führung durch den Gemüsegarten des Restaurants. Mit über 100 Pflanzenarten kann der Garten die Küche fast vollständig mit Zutaten versorgen. In naher Zukunft wird das Restaurant de Dyck auch Tiere in den Kreislaufprozess seines Unternehmens integrieren. Bei diesem Verfahren dienen Lebensmittelabfälle als Futter für Tiere, und auch das Fleisch der Tiere wird letztendlich in der Küche verarbeitet.

Lunch

Tour

groentetuin

Garden

Ziele der Gegenwart und Träume von der Zukunft

Koos van der Meij von der Universität Wageningen & Research gab uns in seiner Präsentation eine kurze und bündige Einführung in die aktuelle und zukünftige Technologie der Datenvalidierung. Das Ökosystem der Entwicklungen begann einst mit Mechanisierung und Dampfkraft, gefolgt von Massenproduktion und Elektrizität, Computern und Automatisierung, und schließlich der heutigen „Industrie 4.0“: Cyber Physical Systems.

Koos van der Mey

Koos van der Meij

Diese Phase geht Hand in Hand mit dem Denken in Lieferketten und den damit verbundenen Datenökosystemen. Diese Weitergabe von Daten funktioniert gut, solange jedes Glied in der Kette die Informationen in einer Weise weitergibt, die den Systemen der betreffenden Geschäftspartner entspricht.

„Und was, wenn ein Glied in der Kette die Daten nicht weitergibt? Wie wirkt sich das auf den Wert Ihrer Daten in der Kette aus?“ Die Lösung hierfür ist der Umstieg von einer Lieferkette (Supply Chain) auf eine Liefergemeinschaft (Supply Community). „Die Warenströme bleiben unverändert, sie sind aber nicht mehr linear. Man geht dann eher vom Bild einer Spinne im Netz aus.“ Koos fügt ergänzend hinzu: „Standardisierung ist in einer solchen Gemeinschaft von entscheidender Bedeutung.“

Neben den Teilnehmern der Kette, die an der Produktion, dem Transport oder dem Verkauf beteiligt sind, spielen auch die sogenannten Gemeinschaftsdienste eine Rolle. Das sind beispielsweise Zertifizierungsinstitute wie MPS oder Softwareanbieter wie Certifeye. Koos stellt die Frage, welchen Mehrwert diese Dienste in Zukunft haben werden. Ist es notwendig, dass ein Erzeuger zertifiziert ist? „Die Geräte sorgen dann dafür, dass nicht jedes Jahr die gesamte Produktion des Lieferanten auditiert, sondern dass jedes Produkt Stück für Stück zertifiziert wird.“

Hierzu bedarf es natürlich eines enormen Aufwands an Datenverarbeitung. Vielerorts läuft dies bereits sehr gut. Beispiele hierfür sind das Sport machen mit einer Smartwatch oder eine einfache Wettervorhersage. Koos erklärt, welche Elemente dabei wichtig sind: „Zunächst einmal ist eine Standardisierung der Daten notwendig, damit jederzeit klar ist, welche Erwartungen gestellt werden. Dann gibt es noch das Sensormanagement, z. B. die Entscheidung, wo das Temperaturmessgerät in einem beladenen Lkw angebracht werden soll. Und schlussendlich müssen all diese digitalen Daten natürlich rigoros geschützt werden, unter anderem vor DDOS-Angriffen.“

Im Zusammenhang mit der Datenerfassung in der Lebensmittelindustrie erwähnt Koos einige Scan-Arten: DNA-Scan, Kollagen-Scan und ein Molekular-Scan. „Die Komponenten, die über diese unterschiedlichen Scans ermittelt werden, führen zu einem Fingerabdruck des gescannten Objekts. Ein solcher Fingerabdruck zeigt dann zum Beispiel, wie viele Kilokalorien und Kohlenhydrate in einem Apfel stecken.“

Ermöglicht wird dies durch den Einsatz der Blockchain-Technologie. Das System sendet die Informationen an die Datenbank und verknüpft sie mit den zur Frucht gehörenden Daten. In Zukunft können diese Informationen auch direkt an den Kunden gehen, wo geprüft wird, ob die Spezifikationen des Apfels seinen Anforderungen entsprechen. Abschließend werden all diese Informationen zurück an den Scanner gesendet.

Koos van der Meij
Koos van der Meij

Die Besucher konnten diesen Prozess der Lebensmittelanalyse live miterleben. Bei der Demonstration des Molekular-Scan-Systems SCIO wurde mit Begeisterung dabei zugesehen, wie die genaue Zusammensetzung eines Apfels untersucht wurde, ohne ihn zu beschädigen.

Wohin wird uns diese Technologie führen? Die Zuhörer waren von diesen Entwicklungen angetan und wurden inspiriert. Was wäre, wenn ein biologischer Strichcode auf den Apfel gesprüht werden könnte, sodass jeder Apfel auch ohne Aufkleber sofort identifizierbar wäre? Ist der Geschmack von Früchten auf molekularer Ebene definierbar? Welche Folgen wird dies für das Gastgewerbe und den Einzelhandel haben?

Zum Glück können wir den Geschmack eines Apfels noch auf die altmodische Art und Weise erleben! Ermöglicht wurde dies während des Quality PopUps durch die Schüler der Schule für Kinder mit ausgeprägten Lernschwierigkeiten De Kleine Wereld aus Gorinchem, die die am Ende verteilten Äpfel mit Bio-Qualität-Aufklebern versahen. Wir möchten uns bei diesen engagierten Schülern auch an dieser Stelle noch einmal bedanken!

appels

Sie haben dieses Quality PopUp verpasst, sind aber an der Zukunft von Datenvalidierung und Nachhaltigkeit interessiert? Wageningen University & Research organisiert im Jahr 2023 das PPP-Konsortium, während dessen unter anderem das Circle of Community-Konzept sowie eine Garantie für Bio-Produkte diskutiert werden. Haben Sie Interesse? Dann wenden Sie sich bitte per E-Mail an unseren Innendienst mit dem  Betreff: Interesse PPS WUR. Sie werden dann von einem Kollegen angerufen, der sich mit diesem Thema beschäftigt. In Kürze wird auch eine erste Orientierungsveranstaltung in den Räumlichkeiten der Universität stattfinden, an der Sie bei Interesse teilnehmen können.

red wire mobile red wire small red wire big
X